acrps 2019 – 9. Internationale Konferenz für die Wechselstrom-Bahnenergieversorgung

Bereits zum neunten Mal traf sich die Fachwelt der Wechselstrom-Bahnenergieversorgung in Leipzig zur aller zwei Jahre stattfindenden internationalen Konferenz acrps. Fast 550 Teilnehmer aus 14 Ländern vertraten 60 Unternehmen. Die 21 Vorträge hatten alle Bereiche der Bahnenergieversorgung zum Gegenstand.

Die neunte Ausgabe der acrps fand am 28. und 29. März 2019 an ihrem nunmehr angestammten Platz im Hotel The Westin in Leipzig statt. Die knapp 550 Teilnehmer kamen von Unternehmen der Bahnindustrie, von Bahninfrastukturbetreibern, Ingenieurunternehmen, Behörden und Zertifizierungsunternehmen.

Die acrps wurde eröffnet mit einer Keynote von Dr. Bernd Rittmeier, Unterabteilungsleiter Eisenbahn im Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur zum Thema „Elektrifizierung in Deutschland“.

Die Tagung begann mit dem Themenblock Projekte. Im ersten Vortrag berichteten John Hoogerwerf, Michael Maizis und Lutz Steinert (DB Engineering und Consulting GmbH) über das Elektrifizierungsprogramm der Israelischen Eisenbahn. Peggy Bretfeld und Dr. Kristian Weiland (DB Netz AG) über das Projekt Breisgau S-Bahn 2030 [1]. Über die Spezifik der Projekt­abwicklung beim Neubau der Flughafenlinie zum neuen Daxing International Airport in Beijing (China) berichteten Christian Goubeau und Oliver Krumme (Rail Power Systems GmbH).

Im zweiten Tagungsblock zum Thema Betrieb berichteten Klaus Leithner (ÖBB-Infrastruktur AG) und Manuel Hemetsberger (Frauscher Sensortechnik GmbH) über Ergebnisse des Forschungsprogramms Kurzschlusslokalisierung mit Lichtwellenleiter im Oberleitungsnetz der ÖBB [2]. Über einen alternativen technischen Ansatz berichteten Martin Piech (DB Energie GmbH) und Michael Perschbacher (DB Netz AG) in ihrem Beitrag über das Kurzschlussortungssystem KOSys. Über Fahrleitungsanlagen und Schutzmaßnahmen im Bereich einer Systemtrennstelle referierten Patrick Hayoz (SBB AG) und Mike Schweller (Schweizer Bundesamt für Verkehr).

Mit Bahnenergieversorgung war der dritte Tagungsblock überschrieben. Rainer Papp und Michael Walther (Siemens Monility GmbH) beschrieben Erfahrungen mit in 2016 in Betrieb genommenen Umrichtern, welche schlussendlich die im Prüf- und Validationscenter Wegberg-Wildenrath benötigten Spannungen und Frequenzen bereitstellen können. Trevor Bagnall und Alan Buttery von der Queensland Rail in Australien berichteten in ihrem Beitrag über Erfahrungen beim Einsatz von 50/50-Hz-Umrichtern. Der Vortrag von Dietmar Ast und Michael Mucha von der Rail Power Systems GmbH stellte das Nahverkehrsprojekt Caltrain vor [3].

Der erste Konferenztag wurde durch eine Podiumsdiskussion unter Leitung von Prof. Dr. Anrd Stephan (Technische Universität Dresden) abgeschlossen, in der mit Werner Raithmayr (DB Energie GmbH), Dr. Kristian Weiland (DB Netz AG), Markus Köppel (Eisenbahn-Bundesamt), Ralf Hickethier (SPL Powerlines Germany GmbH), Markus Zachmeier (Siemens Mobility GmbH), Dr. Michael Bernhardt (Vizepräsident Infrastruktur des VDB) und Dr. Bernd Rittmeier (Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur) das Thema „Elektrifizierung in Deutschland – Wie weiter?“ aufgegriffen wurde.

Der zweite Konferentag begann mit dem Tagungsblock Schutz. Hans Ullmann (Siemens Mobility GmbH) stellte in seinem Vortrag „Optimierung des Netzschutzes und Schutzsimulation in 1AC-/2AC-Bahnnetzen“ Methoden zur Gestaltung des Schutzkonzets vor, die den veränderten Anforderungen in Netzen mit geringer Kurzschlussleistung gerecht werden [4]. Christian Courtois und Theo Fourré (SNCF Réseau, FR) stellten in ihrem Beitrag eine Erdungseinrichtung vor, die auf einer Lösung des italienischen DC-3-kV-Netzes basiert und nunmehr in französischen Netz mit AC 25 kV 50 Hz genutzt wird. Richard Stainton und Dr. Paul Naylor (Network Rail, UK) stellten Versuche vor, deren Ergebnisse es aus ihrer Sicht erlauben, die von Niederspannung bekannten Schutzabstände auch für Hochspannung zu nutzen. Stefan Hofmann (SBB AG), Reto Marti (TBF + Partner AG) und Patrick De Gottardi (Furrer + Frey AG, alle CH) stellten die automatische Erdungseinrichtung im Burgwaldtunnel der Schweizer Südostbahn vor.

Der fünfte Themenblock trug die Überschrift System. Nicolas Steinmann (Alptransit Gotthard AG) und Markus Fanta (Enotrac AG) stellten das bahnenergieversorgungssystem des Ceneri-Basistunnels vor und gingen insbesondere auf elektrische Trennungen in der Oberleitung im Zusammenhang mit den Besonderheiten des Sicherungssystems ETCS Level 2 ein [5]. Dass Streustromkorrosion auch bei Wechselstrom eine Rolle spielen kann, beschrieben Dr. Markus Büchler (Schweizerische Gesellschaft für Korrosionsschutz) und Stefan Nydegger (Enotrac AG) [6]. Alexander Schomberg (Schneider Electric AG) beleuchtete anschaulich das Thema IT-Sicherheit in der Energieautomatisierung.

Im Themenblock Oberleitungen stellten Dominik Notter (SBB AG) und Bruno Fiechter (Furrer + Frey AG) mit ELFF4SBB ein Planungswerkzeug vor, welches für alle Planungsphasen bis hin zur Produktionsvorbereitung genutzt werden kann und künftig bei den SBB eingesetzt werden soll. Über den Verschleiß von Fahrdrähten auf Hochgeschwindkeitsstrecken und Maßnahmen zur Verschleißreduzierung berichteten Rainer Puschmann (Expert Consult) und Christoph Kaschky (DB Netz AG) [7]. Mit der Auswirkung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs auf die Verankerung von Oberleitungsmasten befasste sich der Vortrag von Prof. Dr. Holger Flederer (Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden) und Wolfgang Schulz (DB Netz AG). Dietmar Kunz (Siemens Mobility GmbH) stellte erste Betriebserfahrungen mit dem Oberleitungssystem SICAT SX in Dänemark vor.

Die Vorträge spiegelten die Aspekte des Energieversorgungssystems von Wechselstrombahnen nahezu vollständig wieder. Sie werden in der Zeitschrift eb – Elektrische Bahnen in loser Folge beginnend mit Heft 2-3/2019 als Fachbeitrag veröffentlicht und in einer Sonderausgabe zusammengefasst.

Das Tagungsprogramm wurde durch eine begleitende Firmenpräsentation ergänzt, an der sich 24 Unternehmen beteiligten und Dienstleistungen und Produkte vorstellten.

Zwischen den Tagungssektionen und während des traditonellen Get Togethers in der Leipziger Moritzbastei gab es ausreichend Möglichkeiten zu Gesprächen unter Fachleuten und zum Knüpfen neuer Netzwerke.

In einer Umfrage haben über 50 % der Teilnehmer die Tagung mit sehr gut und über 40 % mit gut bewertet. 100 % der Teilnehmer werden die Tagung weiter empfehlen. Diese Zahlen sprechen eindeutig für die hohe Qualität des Tagungsprogramms, der Beiträge und der Tagungsorganisation. Die acrps wurde erneut vom Innovationszentrum Bahntechnik Europa e. V. organisiert.

Nach der acrps ist vor der acrps. Die zehnte Konferenz wird am 11. und 12. März 2021 an gleicher Stelle staffinden. Zur Einreichung von Vorträgen wird im Herbst 2019 aufgerufen und das Tagungsprogramm im Sommer 2020 veröffentlicht. Die Anmeldung zur acrps 2021 ist ab dem 1. September 2020 möglich.

[1] Bretfeld, P.; Weiland, K.; Gralke, N.; Thieme, U.: Breisgau-S-Bahn – Elektrifizierung und Entwicklung eines modernen S-Bahn-Systems. In: Elektrische Bahnen 117 (2019), H. 2-3, S. 60-66.

[2] Hemetsberger, M.; Leithner, K.: Kurzschlusslokalisierung mit Lichtwellenleiter im Oberleitungsnetz der ÖBB – Ergebnisse. In: Elektrische Bahnen 117 (2019), H. 4, S. ###-###.

[3] Ast, D.; Mucha, M.: Elektrifizierung der Caltrain-Strecke San Francisco – San Jose. In: Elektrische Bahnen 117 (2019), H. 2-3, S. 68-75.

[4] Ullmann, H.; Altmann, M.: Netzschutzoptimierung und Schutzsimulation, in 1AC/2AC-Bahnnetzen. In: Elektrische Bahnen 117 (2019), H. 4, S. ###-###.

[5] Fanta, M.; Steinmann, N.: Schutzmaßnahmen für elektrische Trennungen der Fahrleitung im Ceneri-Basistunnel. In: Elektrische Bahnen 117 (2019), H. 2-3, S. 76-85.

[6] Büchler, M.; Nydegger, S.: Wechselstromkorrosion bei Rohrleitungen hervorgerufen durch Bahnen. In: Elektrische Bahnen 117 (2019), H. 4, S. ###-###.

[7] Puschmann, R.; Kaschky, C.: Fahrdrahtverschleiß auf Hochgeschwindigkeitsstrecken. In: Elektrische Bahnen 117 (2019), H. 2-3, S. 86-97.